Die Drei 11 / 2002

Buchbesprechung

 

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Nicht-Held Hermann

Detlef Berentzen: Hermann,  Dielmann Verlag, Frankfurt 2002. 408 Seiten, 20 EUR.

 

Aus der Perspektive des Ich-Erzählers durchwandert Detlef Berentzen in seinem Roman »Hermann« die Lebenswelten der zurückliegenden fünf Jahrzehnte. Berentzen schreibt die Biografie des Hermann als eine Figur jenes Halbjahrhunderts, das er selbst als Kind der 50er Jahre, als Jugendlicher in den wilden 68ern, als Aktivist, Wohngemeinschaftler und Publizist der 70er und 80er Jahre erlebt und als Zeitgenosse mitgestaltet hat. Mit seinem Helden Hermann – der nie ein Held sein wollte – tritt in Erinnerung, was kaum noch wahr zu sein scheint und doch noch um so wirksamer ist. Standesgemäß für die Folgezeit der 68er gehören Psychologie und Pädagogik zu den Fachgebieten des Autors. Und so geht sein Roman besonders da nahe, wo Berentzen mit hoher Genauigkeit auf die Kindheit seines Nicht-Helden und die Kindheit dessen Vorgänger- und Nachfolgegeneration verweist, immer wieder »das Kind in sich« ernst nimmt und als Projekt des Voraus- und Rückblicks betont.

Detlef Berentzen schrieb ab 1981 für die »taz«, deren Redaktion und Geschäftsführung er angehörte. Für Rundfunk- und Fernsehanstalten entwickelte er Features und Dokumentationen zu Politik, Kultur und Literatur. »Frankfurter Rundschau«, »Die Zeit«, »Wiener Zeitung«, »Psychologie Heute« und anderen Periodika veröffentlichen seine Einlassungen und Kritiken.             Enno Schmidt